Stadtmuseum Herrenmühle

Frankenwein gilt als eher trocken – doch die Wissensvermittlung im Museum „Herrenmühle“ in Hammelburg ist alles andere als das. Hier darf nicht nur geschaut, sondern auch gefühlt und gehört werden – und sogar geschmeckt. Dass Besucher mit einem Glas Wein in der Hand durch die Ausstellung über Weinanbau in Frankens ältester Weinstadt schlendern können, ist nur das I-Tüpfelchen innerhalb eines modernen, auf Interaktivität setzenden Konzeptes des Museums zu dem Thema „Brot und Wein“.

Mit dem zweiten Schwerpunkt „Brot“ wird die Geschichte des Museumsgebäudes aufgegriffen: Bereits im Mittelalter wurde in der Mühle an der Saale Getreide vermahlen, und zwar von den Bürgern unter Aufsicht der Ratsherren. Während man die Stufen in den ersten Stock hinaufsteigt, dringen Stimmengemurmel, Ächzen und laute Schläge ans Ohr – und dann betritt man eine Dreschszene. Die aus Kunststoff gefertigten Protagonisten wirken sehr echt und man mag kaum glauben, dass diese Figuren bereits 1991 bei der Eröffnung des Museums zum Inventar gehörten. Da sie sich – trotz der täglichen harten Arbeit – so gut gehalten haben, wurden die nachgestellten Szenen, zum Beispiel auch eine Bäuerin beim Buttern, eine andere am Spinnrad, in die 2017 komplett modernisierte Ausstellung übernommen. Neu sind dagegen die „Food“Steps, in denen es um neuzeitliche Aspekte der Ernährung geht: um Getreide- und Pseudogetreidearten, um Buttererzeugnisse, Mehlsorten und Typenbezeichnungen, aber auch um Fragen nach Gluten- und Laktoseunverträglichkeiten.

Sozialgeschichtlich interessant sind die Erläuterungen rund um den Müllerstand und warum er zu den „unehrlichen“ Berufen zählte. Verschiedene Getreidemaße und Waagen sowie der Blick auf die Aufgaben der Müllerinnen und das Leben der Gesellen vervollständigen das Bild. Auch die Mühlentechnik – im Allgemeinen und die der Herrenmühle im Besonderen – ist detailliert erläutert und mit der Geräuschkulisse einer Mühle im Betrieb untermalt.