Suche nach Antworten: Forschung und Monitoring im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön

Im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön wird seit seiner Anerkennung 1991 für eine ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Entwicklung geforscht. Ziel ist, mehr darüber zu erfahren, wie sich die einzigartige Kulturlandschaft und die Artenvielfalt in der Rhön entwickeln. Dabei entstehen ständig neue Fragen – die Grundlage für neue Wege als Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Idealerweise bieten Forschungsergebnisse Entscheidungshilfen für die vorsorgende Politik und das Umweltmanagement.

Forschung – die wissenschaftliche Untersuchung konkreter Fragestellungen – und Monitoring – die systematische und wiederholte Erfassung von Veränderungen – sind wichtige Pflichtaufgaben der drei Verwaltungsstellen Bayern, Hessen und Thüringen. Die Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen ist der ursprüngliche Kern des Programms „Der Mensch und die Biosphäre“. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit sollen Fragen zur ökologisch, wirtschaftlich und sozial verträglichen Nutzung beantwortet sowie neue Ansätze und Methoden erprobt werden.

Dabei dürfen auch „dicke Bretter“ gebohrt werden: Die ökologischen Beobachtungen (Monitoringkonzepte) sind auf lange Zeit angelegt, so dass sich spannende Entwicklungen über Jahrzehnte zeigen. Die Themen machen dabei natürlich nicht an den Ländergrenzen Halt. Mit abgestimmten Aufnahmemethoden bei den Monitorings sollen Daten erhoben werden, die länderübergreifend analysiert werden können. Oft lernt man modellhaft an einem Ort Dinge, die für die gesamte Rhön hilfreich sind.

Forschung & Wissenschaftliche (Abschluss-) Arbeiten

Mehr als 400 Forschungsarbeiten sind seit 1991 (und in den Jahren davor) bereits entstanden, davon teilweise in langjähriger Kooperation mit Forschungspartnern. Gut die Hälfte sind studentische Qualifikationsarbeiten (Abschlussarbeiten).

Die drei Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön formulieren in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region Forschungsfragen zu folgenden Themenfeldern:

  • TOP-Themen (besonders aktuell und relevant) sowie weitere Fragen aus:
  • Natur und Ökologie
  • Kulturlandschaft
  • Kulturlandschaft und Regionalentwicklung
  • Klimawandel und -anpassungen
  • Nachhaltige Wirtschaft und Konsum
  • Tourismus
  • Bildung und nachhaltige Entwicklung

Diese Fragestellungen eignen sich je nach Umfang für Masterarbeiten, Bachelorarbeiten, Examensarbeiten oder Dissertationen. Sie können in Rücksprache mit den Verwaltungsstellen auch modifiziert werden.

Den aktuellen Fragenkatalog (Themenliste) finden Sie hier.

Wichtige Hinweise auf weitere (zu entwickelnde) Forschungsfragen bietet das Rahmenkonzept Biosphärenreservat Rhön, das nicht nur für die Arbeit der Verwaltungsstellen sondern auch für alle Forschenden die wichtigste Grundlage darstellt.

Neben dem ehrenamtlichen Engagement der Vereine/Verbände bei Kartierungsarbeiten gewinnen zunehmend die Erfassungen von Bürger*innen (Citizen Science) für die Rhön an Bedeutung. Sie können die Arbeit von Wissenschaftler*innen zwar nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Durch eine in der Bayerischen BR-Verwaltung geschaffene Projektstelle können nun verstärkt Citizen Science Projekte durchgeführt – mit großer Resonanz.

Monitoring

Monitoring ist dazu da, ausgewählte Themen im Detail zu beleuchten, die für die Umsetzung des Rahmenkonzeptes wichtig sind und ihre Veränderung zu dokumentieren und zu analysieren.

Geplant sind die Fortführung und Weiterentwicklung des länderübergreifenden Sozio-Monitorings (Meinungsumfragen/Akzeptanzstudie 2002, 2010, 2022 ff.), um zu erfahren, welchen Mehrwert die Menschen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön erkennen.

Das länderübergreifende Landschaftsmonitoring (1993, 2006, 2019 ff.) erfasst flächendeckend auf der Basis von (digitalen) Luftbildauswertungen alle Ökosystemtypen/Nutzungen im Biosphärenreservat Rhön. Die so gewonnen Daten können in einem Geographischen Informationssystem dargestellt, verarbeitet und analysiert werden. Sie ermöglichen, die Veränderungen der Landschaft in großer Differenzierung (mehr als 700 Nutzungstypen) und Detailschärfe zu dokumentieren.

In den Kernzonen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön soll sich die Natur weitestgehend unbeeinflusst vom Menschen entwickeln. In Kernzonen-Monitoringprogrammen werden die natürliche (Wald-)Entwicklung sowie ausgewählte Artengruppen auf repräsentativen Kernzonenflächen dokumentiert.

Im bayerischen Teil wurden 19 Kernzonen ausgewählt. Dabei wurden unter anderem die Entwicklung des Waldbestandes, der Bodenvegetation und der Vogelfauna erfasst. Im thüringischen Teil werden die Entwicklung der Kernzonen unter anderem im Bereich Waldaufkommen sowie die Entwicklung von Kleinsäugern und die Auswirkung des Wildverbisses untersucht. In Hessen werden in einem umfassenden Monitoring-Programm ebenfalls Wald und Fauna erforscht.

Auch in den Pflegezonen finden dauerhafte Erhebungen zur Biodiversität statt. Monitoring wird auch im Rahmen von projektbezogenen Erfolgskontrollen durchgeführt.

Was kommt danach?

Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist als Drehscheibe für verschiedenste Forschungsaktivitäten zu verstehen: Für eigene oder in Auftrag gegebene Forschungsarbeiten, aber vor allem für die Arbeiten Dritter (Universitäten, Forschungsinstitutionen).

Ziel ist, dass die Forschungsergebnisse in eine nachfolgende Umsetzung für mehr Nachhaltigkeit münden: in den (LW-) Betrieben, in den Handwerksbetrieben, bei Vereinen und Verbänden, in Kommunen, Fachverwaltungen oder direkt bei den Verbraucher*innen.

Die Ergebnisse von Forschungsarbeiten werden daher von den Biosphärenreservatsverwaltungen, je nach Thema und räumlicher Relevanz, über die Presse/ Website oder in Form von Vorträgen kommuniziert – oder direkt an relevante Entscheidungsträger*innen weitergegeben.

Wie die Betroffenen mit den Ergebnissen umgehen und ob sie Berücksichtigung finden, liegt jedoch außerhalb des direkten Einflusses und der Zuständigkeit der Biosphärenreservatsverwaltungen. Das ist eine freiwillige Sache.

Forschung im Biosphärenreservat wird länderübergreifend von der Bayerischen Verwaltungsstelle koordiniert. Nach Absprache wird jede Forschungsarbeit von einem/er Fachmitarbeiter*in fachlich-organisatorisch begleitet. Bei länderübergreifenden Projekten wird in jeder Veraltungsstelle ein*e Ansprechpartner*in benannt.

Die Forschungsarbeiten finden Eingang in die länderübergreifende digitale Bibliothek der drei BR-Verwaltungen und stehen weiteren Forschenden für ihre Arbeiten zur Verfügung. So baut sich ein ständig wachsender Wissenspool auf.