Pfunds-Museum

Etwa hundert Jahre lang diente das denkmalgeschützte Fachwerkhaus, in dem sich das Pfunds-Museum befindet, als Gastwirtschaft und so manche „Maß“ wurde von den Künstlern des Malerdorfs Kleinsassen hier getrunken. Heute machen Bierkrüge im Regal offensichtlich, dass eine Maß nicht gleich eine Maß, sondern je nach Region unterschiedlich geeicht war. Gleiches galt für die Getreidemaße, wie die Ausstellung eines Hünfelder, eines Fuldaer und eines Rasdorfer Maßes zeigt. Zusätzlich zu den unterschiedlichen Maßeinheiten mussten Handelsreisende vor 300 Jahren auf ihrem Weg durch Deutschland auch mit unterschiedlichen Währungen hantieren. Da hatten es die Bewohner von ganz Südostasien, Ozeanien und Afrika mit den (ebenfalls ausgestellten) Kauri-Schneckenhäusern als Zahlungsmittel einfacher.

Der Blick geht im Pfunds-Museum über Hessen, Thüringen und Franken und sogar Deutschland weit hinaus: Europaweit einmalig ist die Darstellung der internationalen Kulturgeschichte des Wägens und Messens anhand vieler tausend Beispiele aus fast allen Ländern, allen Erdteilen und Zeitaltern. In Vitrinen liegen aus Sumer, Babylon, Ägypten und Griechenland antike Gewichte und kunstvoll verzierte, die vom 16. bis 19. Jahrhundert in Afghanistan, China, Nepal oder Burma zum Einsatz gekommen waren. Verblüffend ist der Einfallsreichtum, mit dem immer wieder für verschiedene Berufe und Genauigkeitsanforderungen Erfindungen gemacht wurden: Eierwaagen, Federwaagen, eine Waage, die Nägel „zählt“, Perückenmacherwaagen, Viehwaagen, Bahnhof-Personenwaagen, Haushaltswaagen, verschiedene Fleischwaagen, feinste Analysewaagen für Chemiker und Apotheker… Pfiffig wirkt aber auch mancher Alltagsgegenstand, wie die „Spaghettischablone“, mit der sich je nach Personenzahl die zu kochende Pasta-Menge abmessen ließ. Die zahlreichen kunstvoll verzierten oder aufwändig gestalteten Exponate sind ein Blickfang und manches darf auch ausprobiert werden, so einige Waagen unterschiedlicher Bauart, eine Eiersortiermaschine oder eine raffinierte mechanische Einsackwaage. Außerdem erfahren Besucher, woher Begriffe wie „Elle“ für das Schneiderwerkzeug oder „Karat“ stammen.