Schaustollen "Grube Marie" am Großen Auersberg

Die „Grube Marie“ ist ein Schaustollen in der Nähe von Oberbach, der den Schwerspatabbau in der Rhön dokumentiert. Mit seinen zehn Metern Länge und sieben Info-Tafeln ist die Einrichtung der kürzeste unter allen Lehrpfaden – man könnte ihn genauso gut als kleines Museum bezeichnen.
Entdeckt worden war der Rohstoff, auch unter dem Namen Baryt oder Bariumsulfat bekannt, um 1880 im Tal der Kleinen Sinn, in der Umgebung des heutigen Truppenübungsplatzes Wildflecken. Eigentlich war in der Gegend der Ortschaften Altglashütten und Silberhof nach Silber gegraben worden, aber der Fund des Schwerspats erwies sich ebenfalls als Glücksgriff für die Region. Denn der darauffolgende Abbau stellte einen bedeutenden Erwerbszweig dar. In einem Gutachten von 1921 wurde dargelegt, dass sich dank der niedrigen Lohnkosten auch weitere Wagenfrachten zum nächsten Bahnhof rentierten. Während unter Tage nur Männer beschäftigt waren, galt die aufwändige Waschung und Sortierung des Materials an Fließbändern als Frauenarbeit. Neben der Braunkohle ist Baryt der einzige Bodenschatz, der in der Rhön unter Tage gewonnen wurde.

Nahezu 100 Jahre dauerte der Abbau, bis am 31.Oktober 1970 die Arbeiten wegen Unrentabilität endgültig eingestellt wurden. Schon zuvor waren Stollen für den Übungsplatz geschlossen worden. Aus Sicherheitsgründen wurden Lüftungsschächte und Stollen gesprengt.

Erst im Jahr 1999 legte man auf Anregung und unter der Federführung eines ehemaligen Bergmanns den Schaustollen samt Schienen und Lore außerhalb des Sperrgebiets an, um an die vergangene Ära zu erinnern. Sieben Tafeln geben Informationen zu Vorkommen und Geologie, Eigenschaften des Schwerspats, zu seiner vielseitigen Verwendung, zum Abbau und den entsprechend notwendigen Arbeitsgängen. Er wird hauptsächlich in der Farbindustrie und wegen seiner hohen Dichte im Strahlenschutz (Röntgenstrahlung) verwendet. Noch bis 1970 wurden Fertigteile für den Strahlenschutz bei Oberbach gefertigt. In der Schifffahrt kommt Schwerspat als Gewicht im Kiel zum Einsatz.

Gut zu wissen: Den Schlüssel für den Stollen erhält man im Biosphärenzentrum Rhön. Ein Lichtschalter befindet sich im Eingangsbereich der Grube.

Streckenlänge: Beginnt man den Weg wie empfohlen im Biosphärenzentrum Rhön, so beträgt die einfache Strecke bis zu der Sehenswürdigkeit 1,6 Kilometer.

Voraussetzungen: Gut befestigter Waldweg, am Ende Wiese, nicht barrierefrei

Markierung: Durch den Ort Oberbach bis zum Waldrand „Am Schlagweg“ ist der Weg ausgeschildert. Danach folgt man dem unteren der beiden Waldwege geradeaus und zweigt erst an einem Wegweiser ab, der nach rechts zeigt.

Autor

Sandra Limpert