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Biosphärenreservat Rhön
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Langfristige Erfolge der Artenschutzprojekte zur Wiederansiedlung von Edelkrebs, Schneider und Karausche

Wie geht es Edelkrebs, Schneider, Karausche und Co. im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön? Der Arbeitskreis „Rhöner Fließgewässer“ hat kürzlich Bilanz über die durchgeführten Aktionen des letzten Jahres und auch über die langfristigen Erfolge der Artenschutzprojekte zur Wiederansiedlung gezogen. Dabei standen vor allem die Wiederansiedlungsprojekte Edelkrebs (seit 2004), Schneider (seit 2012) und Karausche (seit 2010) im Fokus.

Der Arbeitskreis „Rhöner Fließgewässer“ zog kürzlich zu verschiedenen Artenschutzprojekten im UNESCO-Biosphärenreservat Bilanz / Foto: Joachim Walter
Die zunehmende Ausbreitung des gebietsfremden amerikanischen Signalkrebses stellt eine Bedrohung für den Edelkrebs dar. / Foto: Carolin Müller
Die in Hessen vom Aussterben bedrohte Karausche, eine der seltensten Fischarten Hessens, konnte in mindestens acht isolierten Stillgewässern erfolgreich etabliert werden. / Foto: Manderbach
Dipl.-Biol. Christoph Dümpelmann beim Einsatz des Schneiders in die Haune. / Foto: Lea Hohmann

Dipl.-Biol. Christoph Dümpelmann vom Büro für Fischbiologie & Gewässerökologie stellte sowohl eigene Tätigkeiten, als auch die Aktivitäten der Ehrenamtlichen sowie des Rangers Joachim Walter im Projektjahr 2023 vor. „Im Rahmen des am längsten laufenden Projekts zur Wiederansiedlung des Edelkrebses stellt die zunehmende Ausbreitung des gebietsfremden amerikanischen Signalkrebses eine Bedrohung in einigen Bächen dar“, so Dümpelmann. In den letzten Jahren angesiedelte Edelkrebsbestände drohen, durch die invasive Art wieder vernichtet zu werden. 
Auch die trockenen Sommer der letzten Jahre führten zu Problemen bei angesiedelten Edelkrebsen. So verloren sie beispielsweise durch Wassermangel Lebensraum. Und auch eine zunehmende Gefahr durch Waschbären konnte beobachtet werden, wenn der Wasserspiegel so stark sank, dass die nachtaktiven Invasoren die Edelkrebse im Restwasser erreichen konnten. „Grundsätzlich sind in den meisten Bächen und Teichen, wo der Edelkrebs besetzt wurde, die Tiere noch nachweisbar, eine größere Ausbreitung, so wie erhofft, fand in der Regel jedoch nicht statt“, sagt Dümpelmann.

Positive Entwicklung beim Schneider

Anders sieht es bei der aufwändigen Wiederansiedlung des Schneiders, einer bedrohten Kleinfischart, aus. Hier erfolgte in den letzten vier bis acht Jahren in den Gewässern Ulster, Döllbach, Haune und Nüst ein Besatz mit Jungtieren. Diese werden von Elterntieren aus der Orke, einem Nebenbach der Oberen Eder – also auch im hessischen Wesersystem – speziell für das Projekt im Biosphärenreservat gezüchtet. Durch Kontrollbefischungen konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass der Schneider im Döllbach wieder etabliert ist und sich auch bereits erfolgreich reproduziert hat. In Haune und Nüst lassen zahlreiche Wiederfänge besonders im Jahr 2023 ebenfalls auf eine erfolgreiche Etablierung schließen; ein Reproduktionsnachweis gelang hier jedoch noch nicht, sodass noch nicht mit Sicherheit von einer erfolgreichen Ansiedlung ausgegangen werden kann. Hier erfolgt jedoch auch im aktuellen Jahr noch ein Besatz. Lediglich in der Ulster gelangen nach dem mehrjährigen Besatz noch keine Wiederfänge – ein Nachweis über Umwelt-DNA-Proben (eDNA) erfolgte jedoch im Jahr 2019.

Artenschutzprojekt „Karausche“ am erfolgreichsten

Die in Hessen vom Aussterben bedrohte Karausche, eine der seltensten Fischarten Hessens, konnte in mindestens acht isolierten Stillgewässern erfolgreich etabliert werden. Die konkurrenzschwache Art, die durch eine Reihe von Anpassungen mit starken Temperaturschwankungen sowie auch mit geringen Sauerstoffverhältnissen im Gewässer gut klarkommt, bildete in Waldteichen nach dem Besatz zum Teil Massenbestände, wenn keine anderen Fische im Gewässer auftraten. Für diese Art wurden alte Teichanlagen saniert und auch Hessen Forst stellte für das Karauschenprojekt einige Teiche zur Verfügung. Von den drei Wiederansiedlungsprojekten ist das Karauschenprojekt das erfolgreichste. Der Arbeitskreis kann mittlerweile aus den entstandenen Beständen Tiere für den Besatz weiterer Projektgewässer entnehmen.
So wurde in Hilders zusammenfassend ein durchwachsenes, jedoch überwiegend positives Fazit gezogen. Positiv bewertet wurde auch, dass der Arbeitskreis seit 20 Jahren existiert - einige Mitwirkende sind bereits seit der ersten Stunde dabei. Da neben den Wiederansiedlungsprojekten regelmäßig auch kostenlose Weiterbildungsmaßnahmen und Exkursionen zu Gewässerthemen angeboten werden, können sich jedes Jahr an Gewässern interessierte Menschen über die Aktivitäten des Arbeitskreises „Rhöner Fließgewässer“ informieren -  neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind jederzeit herzlich willkommen!
 

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