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Biosphärenreservat Rhön
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Skypole auf der Hohen Geba fertiggestellt: Innovatives Modellprojekt zur Erkundung des Nachthimmels

Den Rhöner Sternenhimmel auf eine neue Art und Weise erleben: Sternenbeobachtung für (Hobby-) Astronomen und die, die es werden wollen, ermöglicht nun die Einheitsgemeinde Rhönblick auf der Hohen Geba im Thüringer Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Ein innovatives Modellprojekt – der sogenannte Skypole – wurde vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) mit einer Zuwendung in Höhe von 21.421,00 Euro zu 90 % gefördert.

Dr. Peter Kroll (Leiter der Sternwarte Sonneberg), Ulrike Schade (Dienststellenleiterin der Thüringer Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön) und Christoph Friedrich (Bürgermeister der Einheitsgemeinde Rhönblick) zu Besuch am Skypole auf der Hohen Geba. / Foto: N. Thürbeck
Der Skypole auf der Hohen Geba mit seinen drei Positionslichtern (von oben: rot, gelb, grün) und 200 nummerierten Positionsplatten. / Foto: Chr. Friedrich
An der Infotafel zum Skypole kann man über einen QR-Code auf die Homepage https://hohegeba.skypole.de gelangen und mit der Einstellung der Augenhöhe eine Vielzahl an Sternenbildern am nächtlichen Himmel kennen lernen. / Foto: N. Thürbeck

Seit 2014 ist das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Rhön international anerkannter Sternenpark. Geringe Lichtverschmutzung macht es in der Rhön möglich, natürliche Nachtlandschaften mit Blick auf Milchstraße oder beeindruckende Sternenbilder zu erhaschen. In dunkleren Ortschaften mit geringer, umweltverträglicher Beleuchtung ist dieses einzigartige Erlebnis sogar bequem vom eigenen Garten oder vom Ortsrand aus möglich. Zusätzlich wurden in der Rhön spezielle Beobachtungspunkte und Himmelsschauplätze errichtet, die es ermöglichen, den Nachthimmel zu beobachten, ohne nachtaktive Tiere- vor allem in Schutzgebieten - zu beeinträchtigen. Im Oktober 2012 hat die Einheitsgemeinde Rhönblick nicht nur als erstes im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön den Beschluss zur Bewerbung als Sternenpark im Gemeinderat unterschrieben und seitdem viele kommunale Straßenlaternen auf umweltverträgliche LED-Beleuchtung umgerüstet: Auf der Hohen Geba, dem höchsten Berg der nordöstlichen Vorderrhön hat sie in den letzten Jahren einen Beobachtungsplatz mir vier astronomischen Plattformen eingerichtet. Auf diesem können kleine und große High-Tech-Teleskope mit technischem Equipment zur Himmelsbeobachtung aufgebaut und betrieben werden. Da nicht jeder Astronomiefan technisch hochkarätig ausgestattet ist, das Interesse an der Sternenbeobachtung auf der Hohen Geba aber stetig angestiegen ist, beantragte die Einheitsgemeinde im Rahmen des Projektaufrufs des Thüringer Umweltministeriums 2021 die Errichtung einer neuartigen Installation zur Beobachtung des Nachthimmels – einen sogenannten Skypole. 

Peilsystem zum Auffinden von Himmelsobjekten

Dieses innovative Modellprojekt wurde vom Leiter der Sternwarte Sonneberg, Dr. Peter Kroll, erfunden und patentiert. Es handelt sich dabei um ein Peilsystem zum Auffinden von Himmelsobjekten. Die Anlage besteht aus einem zentralen 10 Meter hohen Mast, umrundet von 200 kleinen Bodenplatten, die mit Zahlen und Buchstaben gekennzeichnet sind. Der Mast selbst ist mit drei farbigen Markierungen in unterschiedlicher Höhe versehen. Die Farben und die Schrift auf den Bodenplatten leuchten bei Nacht. Eine Infotafel vor Ort erklärt das genaue Vorgehen, um z. B. seltene Sternenbilder am Nachthimmel zu identifizieren. Auf einer Skala auf dieser Infotafel muss man zunächst die eigene Augenhöhe ablesen. Je nach Augenhöhe ruft man nun über die Homepage (https://hohegeba.skypole.de/) die aktuelle Liste der sichtbaren Sterne, Planeten oder Sternenbilder ab. In dieser Liste sind zudem die jeweiligen Koordinaten (Nummer der Bodenplatte) und die farbliche Markierung am Skypole (rot, gelb, grün) genannt. Nun begibt man sich auf die jeweilige Bodenplatte und richtet seinen Blick auf die entsprechende Markierung am Skypole. Dort befindet sich nun das gesuchte Himmelsobjekt. Ganz einfach – aber genial. Man benötigt keine Vorkenntnisse.

Zwar konnten wir zum Zeitpunkt der Fertigstellung am 15. Dezember 2023 vom Stein G4 an der grünen Markierung des Mastes wegen starken Nebels nicht einmal wie angegeben die Sonne deutlich erkennen. Jedoch war das System kinderleicht zu begreifen und wird sicherlich viele interessierte Gäste und Einheimische zur nächtlichen Sternenbeobachtung auf die Hohe Geba locken. Fantastisch, dass mit dem Nachhaltigkeitsbudget so ein Alleinstellungsmerkmal für die Region geschaffen werden konnte“, sagt Ulrike Schade, Dienststellenleiterin der Thüringer Biosphärenreservatsverwaltung Rhön.

Den Nachthimmel interaktiv erkunden

Der Skypole soll nun in die regelmäßigen Sternenführungen und Festivitäten auf der Hohen Geba eingebunden werden. "Wichtig ist aber," so Bürgermeister Christoph Friedrich von der Einheitsgemeinde Rhönblick, "dass mit Hilfe dieser Installation Besucherinnen und Besucher sowie Einheimische selbst und interaktiv den natürlichen Nachthimmel erkunden können und der nicht verschmutzte Nachthimmel im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön stärker im Fokus steht. Denn ein Besuch auf der Hohen Geba und das Sternenfunkeln sensibilisiert auch immer, dass der Schutz der Nacht bereits vor der eigenen Haustür beginnt. Ein besonderer Dank geht an die Thüringer Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön in Zella, welche uns bei der Projektumsetztung stets fachkompetent mit Rat und Tat zur Seite standen.

Hintergrund

Das dritte Jahr in Folge fördert das Thüringer Umweltministerium „Investive Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung in den Nationalen Naturlandschaften Thüringens“. Hierzu zählt der Thüringer Teil des länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. In den Jahren 2021-2023 erhielten bereits 65 Projekte eine Förderzusage. Davon wurden 21 Projekte in diesem Jahr neu beantragt und werden teilweise bis zum Jahr 2025 umgesetzt. Insgesamt fließen somit ca. 2,1 Millionen Euro in die Region. Ausführliche Infos zur Förderung und den bereits umgesetzten Projekten finden Interessierte auf der Webseite des Biosphärenreservats - im Randbereich (weiterführende Links). 

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