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Buchschirm soll wieder artenreich werden - LIFE-Projekt stellt über 200 Jahre alte Hutebuchen frei

Auf dem Buchschirm war in den letzten Monaten viel los: Mit Motorsäge und schwerem Gerät sind Forstunternehmen dem Wildwuchs auf der 160 Hektar großen Gemeindehute zu Leibe gerückt. Was nach ungehemmter Zerstörung aussieht, ist im LIFE-Projekt „Rhöner Bergwiesen“ ein wichtiger Schachzug im Kampf gegen das Artensterben vor der Haustür.

Vor den Entbuschungsmaßnahmen waren große Bereiche des Buchschirms mit Büschen und Sträuchern zugewachsen. / Foto: Annika Hennemuth
Nach den Arbeiten ist wieder Offenland entstanden, auf dem Bodenbrüter wie der Wiesenpieper eine Heimat finden können. / Foto: Annika Hennemuth
Auch die Hutebuchen unterhalb der NABU-Hütte wurden großflächig von Gehölz befreit. / Foto: Elmar Herget

Denn der vor Generationen in Knochenarbeit urbar gemachten Gemeindehute am Hilderser Buchschirm drohte ein ähnliches Schicksal wie vielen anderen Huteflächen im Biosphärenreservat. Noch bis in die 1970er Jahre wurden sie als großflächige Auftriebsweiden genutzt, die Beweidungsrechte waren an die ortansässigen Höfe vergeben. Morgens trieb ein eigens beschäftigter Kuhhirte das Vieh herauf und abends wieder hinunter. Inzwischen haben die Rhöner Hutungen einen folgenreichen Nutzungswandel erfahren. Wo früher Kühe, Jungvieh und auch Pferde gemeinsam auf sogenannten „Umtriebsweiden“ grasten, die zusätzlich von Wanderschäfern mit Ziegen und Schafen nachbeweidet wurden, stehen heute überwiegend Rinderherden.

Während in manchen Bereichen der Weidedruck groß ist, werden andere Lagen der Hutung aufgrund des steilen Geländes heute kaum oder gar nicht mehr genutzt. Dadurch hat sich nicht nur der Nährstoffgehalt im Boden verändert, sondern auch das Gesicht der Landschaft. Denn Hutungen zeichnen sich traditionell durch offene Grasflächen mit Lesesteinwällen und einzelnstehenden Bäumen und Büschen aus, die vielen Tieren als Lebensraum dienen. Doch inzwischen sind wegen Unternutzung immer größere Bereiche auf dem Buchschirm mit Büschen zugewachsen.

Lebensraum für Bodenbrüter erhalten

„Fatal ist das vor allem für Vogelarten, die auf den offenen Lebensraum des Kulturlands angewiesen sind, wie beispielsweise den Wiesenpieper“, weiß Annika Hennemuth vom LIFE-Projekt „Rhöner Bergwiesen“. Der sperlingsgroße Vogel mit der schwarz gefleckten Brust, der im Singflug mit abgespreizten Flügeln wie ein Fallschirm vom Himmel gleitet, ist in den vergangenen Jahren selten geworden – und das ausgerechnet im Vogelschutzgebiet. Der dramatische Rückgang dieser und anderer Arten auf dem Buchschirm rief die Naturschützer vom LIFE-Projekt auf den Plan. In Abstimmung mit der Gemeinde Hilders, der Unteren Naturschutzbehörde und dem NABU rückten Ende Oktober Maschinen an. „Unser Ziel war es, die komplett verbuschten Bereiche wieder zu öffnen und den Lebensraum für die Bodenbrüter und ursprünglichen Pflanzengesellschaften der Hutung zu erhalten“, erklärt Hennemuth. Gleichzeitig sorge die Maßnahme dafür, dass nicht noch mehr landwirtschaftliche Fläche verloren gehe und der Teufelskreis aus Verbrachung und Artenschwund durchbrochen werden könne.

Ein Glücksfall sind die vom LIFE-Projekt geförderten Arbeiten auch für die über 200 Jahre alten Hutebuchen unterhalb der NABU-Hütte. Von den mächtigen Charakterbäumen gibt es auf dem Buchschirm besonders viele markante Exemplare. Sie dienten früher dem Vieh als Schatten- und ihre Samen als energiereiche Nahrungsspender. Einige von ihnen waren in den letzten Jahren allerdings so zugewachsen, dass sie kaum mehr zur Geltung kamen. Über die freigestellten Baumriesen freut sich auch der Hilderser Bürgermeister Hubert Blum: „Die Hutebuchen sind nicht nur wunderschön anzusehen, sie sind ein kulturlandschaftliches Erbe in der Hochrhön, das unbedingt erhalten werden muss.“

Bedeutender Komplex an artenreichen Bergmähwiesen

Der Buchschirm ist für das LIFE-Projekt des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön, das sich seit 2016 dem Erhalt der bedrohten Rhöner Bergwiesen widmet, auch aus anderen Gründen schutzwürdig, wie Projektmanager Elmar Herget erklärt: „Wir haben hier oben noch einen bedeutenden Komplex an artenreichen Bergmähwiesen beziehungsweise Arealen, auf denen sich dieser selten gewordene Lebensraumtyp besonders gut entwickeln kann.“ Dazu sei eine enge Zusammenarbeit mit den Landwirten wichtig, da die hierfür geeigneten Grünlandbereiche dann nicht mehr beweidet, sondern in eine Mahdnutzung überführt werden.

Die Maßnahmen zeigen laut Herget bereits erste Erfolge: „Wir haben schon die ersten sehr seltenen Raubwürger gesichtet, die sich offenbar für die neu entstandenen Lebensräume interessieren. Das ist für uns Bestätigung und Ansporn zugleich.“

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