Sommerzeit ist Glühwürmchenzeit

Was uns die Sterne im Juli bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

Mitternachtsdämmerung und Neumondphase

Der Sommer ist da, und viele genießen die langen Abende. Zeit, den Himmel und seine Schätze zu bemerken und entdecken! Noch bis Mitte Juli kann man sich an der Mitternachtsdämmerung erfreuen – das heißt, die ganze Nacht hindurch ist noch Restlicht der Sonne in der Atmosphäre. Der ganze Himmel scheint dann im tiefblauen Licht leicht zu schimmern. Zum natürlichen Licht kann man auch das der Glühwürmchen zählen, die man in den nächsten Wochen sehen kann. Sie sind sehr lichtempfindlich, und künstliches Licht stört sie bei der Partnersuche. Nicht bemerken werden wir, dass am 5. Juli die Erde mit 152 Mio. Kilometer Abstand ihren sonnenfernsten Punkt im Jahreslauf erreicht. Gleichzeitig lässt uns die Neumondphase Anfang des Monats die funkelnde Schönheit am Sternenzelt bewundern.

ISS, Schütze, Skorpion und die ersten Perseiden

Im Juli nähert sich das Sommerdreieck – bestehend aus den drei hellen Sternen Wega im Sternbild Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler – nach und nach dem Zenit, und das schwache Lichtband der Milchstraße lässt sich schon erahnen. Erst im August sind die Nächte dann wieder dunkel genug, um ihre volle Pracht zu bestaunen. Besonders lohnt sich ein Blick in Richtung Südhorizont: Denn der Juli ist der beste Monat, um die beiden wunderschönen Sternbilder Skorpion und Schütze aufzusuchen. Besonders augenfällig sticht der hellste und rubinrot-leuchtende Stern Antares im Sternbild Skorpion hervor. Ca. 600 Lichtjahrentfernt, ist er einer der größten Sterne an unserem Firmament. Er wird wohl eines Tages in einer gewaltigen Supernova vergehen.

Etwas östlich fällt eine funkelnde Ansammlung vieler Sternen in Horizontnähe auf – das Sternbild Schütze. In diese Richtung liegt auch das Zentrum der Milchstraße mit hoher Sterndichte, weshalb sich ein Streifzug mit dem Fernglas oder Teleskop dort sicher lohnt.

In den ersten Juliwochen wird es auch immer wieder Überflüge der ISS zu sehen geben. Majestätisch zieht sie von West nach Ost, und der Gedanke, dass sieben Menschen mit 28.000 km/h alle 90 Minuten um die Erde sausen, ist überwältigend.

Ende Juli wird zur normalen Beobachtungszeit auch endlich wieder ein Planet die Himmels-bühne betreten: Der beringte Saturn wird Planet der ganzen Nacht. Auch gute Wünsche können wieder gen Himmel geschickt werden, wenn ab Mitte des Monats der Sternschnuppenstrom der Delta-Auqariiden aktiv wird. Ab dem 16. Juli ist dann außerdem mit den ersten Perseiden zu rechnen, die zu den stärksten sichtbaren Sternschnuppenströmen zählen.

Licht aus – und alle Blicke nach oben!

 

Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.   

 

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben. 

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

Infos zum Sternenpark und zum Jubiläum

Ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Infos zu Erlebnisangeboten und den Sternenparkwochen im Jubiläumsjahr 2024 findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark