Zielarten und Lebensräume

Die Bewohner der Rhön haben über Jahrhunderte die Kulturlandschaft erzeugt, die man heute bestaunen kann. Die offenen und halboffenen Strukturen des „Landes der offenen Fernen“ sind so reich an Pflanzen und Tieren, dass sie zu einem der Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland gehören. In dieser einzigartigen Landschaft liegt die Projektfläche des LIFE-Projektes „Hessische Rhön – Berggrünland, Hutungen und ihre Vögel“, im europäischen Vogelschutzgebiet „Hessische Rhön“, welches eines der TOP 5-Gebiete in Hessen darstellt.

Bevor die Rhön von Menschen besiedelt wurden, waren die Berge und Hügel ausschließlich von Buchenwäldern bedeckt. Im Laufe der Zeit zogen Menschen in die Rhön und rodeten die Wälder für ihre Siedlungen, nutzten sie als Quelle für Baumaterialien und Weiden für ihre Tiere. Die Bauern waren eng an die ihnen gegebenen Bedingungen gebunden. So waren hochgelegene Flächen zum Beispiel schwer zugänglich und die Mahd mühselig. Auch der Ertrag blieb trotz später Ernte nur niedrig, auf feuchten Wiesen war man zudem stark von einer guten Witterung abhängig. Viele Flächen waren mit Blöcken durchsetzt und wurden deswegen nur beweidet.

Durch die Nutzung entwickelte sich „Buchonien“ im Laufe der Zeit zum „Land der offenen Ferne“ mit einem vielfältigen Mosaik von Lebensraumtypen des Offenlandes. Die Mähwiesen, Kalkmagerrasen und Borstgrasrasen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön sind heute Ergebnisse einer wenig intensiven Bewirtschaftung, mit seltenen Mahden und geringer oder gar keiner Düngung. Auf ihnen finden sich viele verschieden Pflanzen und Tiere, die sich an diese Bedingungen angepasst haben. Im LIFE-Projekt sollen nun neue Methoden erprobt werden, um diese seltenen Räume gemeinsam mit den Landwirten zu erhalten.

Bodenbrüter wie Wachtelkönig, Bekassine oder Wiesenpieper benötigen die offenen Flächen als Brutgebiete. Der Schwarzstorch nutzt die Stehgewässer auf den Wiesen als Futterquelle, während er in den Buchenwäldern der Rhön seine Jungen großzieht. Diese Vögel sowie Baumpieper, Raubwürger, Neuntöter und Braunkehlchen sollen durch das LIFE-Projekt bessere Habitate erhalten, um ihre Bestände zu schützen, denn viele sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Der Rhön fällt dabei eine große Verantwortung zu, denn die hier geschaffenen Lebensräume bieten eine gute Grundlage für Maßnahmen zur Stabilisierung und Steigerung der Bestände.

Neben diesen bedrohten Vogelarten soll auch ein Schmetterling, der Skabiosen-Scheckenfalter, geschützt werden.

Bergmähwiese im LIFE-Projektgebiet "Hessische Rhön".
Foto: Uwe Barth
Hute am Buchschirm im LIFE-Projektgebiet "Hessische Rhön".
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Neuntöter - Zielart im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Heidelinde Witzmann
Flachlandmähwiese - Lebensraum im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Uwe Barth
Magerrasen - Flachlandmähwiese - Lebensraum im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Ulla Heckert
Wiesenpieper - Magerrasen - Flachlandmähwiese - Zielart im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Alfred Limbrunner