Lebensräume und Zielarten

Eine Wiese ist eine Wiese ist eine Wiese? Weit gefehlt!
Die Rhöner Bergwiesen sind ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen. Grob unterschieden werden im LIFE-Projekt die Lebensraumtypen Bergmähwiesen, magere Flachlandmähwiesen, naturnahe Kalkmagerrasen, artenreiche Borstgrasrasen sowie eine Besonderheit der Weidewirtschaft, die sogenannten Hutungen.

Bergmähwiesen

Bergmähwiesen sind extensiv genutzte Wiesen mit wenigen und späten Schnittzeitpunkten (1 bis 2 Mal ab Mitte Juli) sowie mit geringer Düngung. Sie lösen die Flachlandmähwiesen in den höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen ab. Auf den Wiesen findet man als häufig vertretene Charakrerart den Goldhafer (Trisetum flavescens), weswegen sie von Botanikern auch Goldhafer-Wiesen genannt werden. Durch die oben beschriebene extensive Nutzung, die dem Boden stetig Nährstoffe entzog, entstand eine vielfältige, blütenreiche Wiesengesellschaft mit einer Vielzahl an Pflanzen, die nur einen geringen Nährstoffbedarf haben.

Durch die Änderung der Grünlandnutzung, wie etwa intensivere und frühere Mahd, Düngung und Beweidung, ist dieser Lebensraumtyp heute stark gefährdet. Eine weitere Bedrohung des Lebensraumes ist die Lupine, eine nicht heimische Art, die im Boden für eine Stickstoffanreicherung sorgt. Außerdem bildet sie Dominanzbestände, wodurch sie konkurrenzschwächere Arten verdrängt.

Mit LIFE-Miteln bearbeitete Fläche: 400 Hektar

Magere Flachlandmähwiesen

Magere Flachland-Mähwiesen sind in Deutschland selten geworden. Die Betonung liegt auf „mager“, das heißt durch langjährige, traditionell kleinbäuerliche Nutzung als Mähwiese wurden den Standorten Nährstoffe entzogen und viele bunte Blumen konnten sich neben den Grasarten etablieren. Aufgrund der zunehmenden Nutzungssteigerung auf Grünland gelangen heute aber während der Düngung hohe Mengen an Nährstoffen in den sonst mageren, also nährstoffarmen Boden.

Flachland-Mähwiesen entstanden vor allem in den tieferen Lagen der Mittelgebirgslandschaft, da die Flächen hier für die Landwirtschaft gut erreichbar waren. Durch die zunehmende Intensivierung mit früheren Mahdterminen und einem verstärkten Einsatz von Düngemitteln sind die Wiesen mit der Zeit an Arten verarmt. Nur durch eine spätere Mahd können die Wiesen artenreich bleiben. 

Mit LIFE-Mitteln bearbeitete Fläche: 50 Hektar

Naturnahe Kalkmagerrasen

Die Kalkmagerrasen findet man in der Rhön an flachgründigen Standorten, wo sie sich vor allem nach der Rodung von Trockenwäldern ausgebreitet haben. Die Flächen sind in ihrer Struktur sehr vielfältig, denn die offenen Landschaften werden durch Bäume, Sträucher und Gesteine in ein Mosaik kleinerer Habitate verwandelt. Noch heute werden sie meist von Schafen gepflegt, manchmal von Großvieh beweidet oder auf dafür geeigneten Standorten gemäht.

Bei reiner Rinderbeweidung werden viele junge Gehölze nicht entfernt und breiten sich aus. Dies schränkt die Nutzung der Flächen immer weiter ein und verschlechtert den Lebensraum von Vögeln, wie dem Neuntöter oder dem Baumpieper, die auf einzelne, freistehende Büsche angewiesen sind. Die wachsenden Gehölze verdrängen außerdem die typischen Pflanzen des Halbtrockenrasen, die meist sehr licht- und wärmebedürftig sind. 

Mit LIFE-Mitteln bearbeitete Fläche: 71 Hektar

Die seltenen Borstgrasrasen sind durch eine langwährende, extensive Bewirtschaftung entstanden. Nach Rodung der Wälder dienten die Flächen ursprünglich fast ausschließlich der Heugewinnung, aber die Erträge waren gering und die Ernte ohne Maschinen beschwerlich. Anschließend wurden dann die Tiere auf die Rasen getrieben. Dadurch wurden konstant große Mengen an Nährstoffen aus den Böden entfernt, aber wenige wieder eingetragen. Diese nährstoffarmen Rasen werden nur von an diese Bedingungen angepassten Pflanzen besiedelt.

Die dort vorkommende Tierwelt ist zusammen mit den zahlreichen Pflanzenarten bedroht, wenn die Landwirtschaft ihre Nutzung der Flächen ändert. Sowohl eine Aufgabe, als auch eine Intensivierung der Rasen schaden diesem Lebensraum, da die typischen Arten verdrängt werden. In der Rhön wächst der Borstgrasrasen noch auf fast 190 ha. Durch ihre Größe und Artenvielfalt sind diese Bestände von großer Bedeutung. Manchmal sieht man in diesen Bereichen den seltenen Goldenen Scheckenfalter. Einige der Flächen weisen durch vereinzelte Gebüsche, Bäume und Basaltblöcke eine hohe strukturelle Vielfalt auf. 

Mit LIFE-Mitteln bearbeitete Fläche: 190 Hektar

Hutungen der Rhön

Die heutige Landschaft der Rhön ist das Ergebnis einer Jahrtausende langen Entwicklung durch Nutzungen des Menschen. Ursprünglich erstreckten sich weit über die Rhön hinaus weitläufige Buchenwälder, weswegen die Fuldaer Mönche das Land als „Buchonien“ bezeichneten. Insgesamt war die Hohe Rhön bis zu dieser Zeit kaum besiedelt. Erst zwischen 1000 und 1300 n. Chr. wurden dann weite Teile dieser großen Wälder gerodet oder als Waldweide genutzt. Während die Bewohner die großen Bäume entfernten, verhinderte das Vieh das Aufkommen von jungen Gehölzen.

Einige Bäume, wie etwa Eiche oder Buche, ließen die Nutzer jedoch bewusst im Wald stehen, um die Früchte oder Laub und Zweige für die Tiere als Futter oder Einstreu zu nutzen. Aus „Buchonien“ wurde so das „Land der offenen Fernen“. Vor allem in den Hochlagen wurden die entstandenen Flächen aufgrund ihrer geringen Erträge und der erschwerten Zugänglichkeit weiterhin als Weiden genutzt. So entstanden die Hutungen mit ihren mageren Grünländern und den großen, einzeln stehenden Bäumen.

Werden Huteflächen nicht mehr beweidet oder ist der Weidedruck zu gering, kommt es zu einer Verbuschung der Huten. Diese wirkt sich nicht nur negativ auf die Beweidbarkeit der Flächen durch das Vieh aus, sondern beschattet und verdrängt auch die artenreiche Grünlandvegetation. Um dies zu verhindern, müssen die Huten in regelmäßigen Abständen mechanisch nachgepflegt, also entbuscht, werden.

Mit LIFE-Mitteln bearbeitete Fläche: 500 Hektar

Tiere im LIFE-Projekt

Die LIFE-Projektkulisse deckt sich mit dem Vogelschutzgebiet Hessische Rhön. Daher stehen die Vogelarten des Offenlandes besonders im Fokus der Schutzbemühungen. 

Bodenbrüter wie Wachtelkönig, Bekassine oder Wiesenpieper benötigen die offenen Flächen als Brutgebiete. Der Schwarzstorch nutzt die Stehgewässer auf den Wiesen als Futterquelle, während er in den Buchenwäldern der Rhön seine Jungen großzieht. Diese Vögel sowie Baumpieper, Raubwürger, Neuntöter und Braunkehlchen sollen durch das LIFE-Projekt bessere Habitate erhalten, um ihre Bestände zu schützen. Aufgrund der zunehmenden Veränderung des Offenlandes durch Intensivierung bzw. Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung sowie äußerer Einflüsse wie der Klimawandel sind inzwischen viele Vogelarten vom Aussterben bedroht. Der Rhön fällt dabei eine große Verantwortung zu, denn die hier geschaffenen Lebensräume bieten eine gute Grundlage für Maßnahmen zur Stabilisierung und Steigerung der Bestände.

Ein ganz besonderer Falter

Neben diesen bedrohten Vogelarten soll auch ein extrem seltener Schmetterling, der Skabiosen-Scheckenfalter, geschützt werden. Er kommt in der Rhön aktuell nur noch auf den Borstgrasrasen im Roten Moor vor. Dort wachsen die wichtigen Futterpflanzen für seine Raupen. Der Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist eine von diesen. Um den hiesigen Bestand dieses deutschlandweit bedrohten Falters zu stärken, sollen während des LIFE-Projekts gezielt die Standorte mit Teufelsabbiss von aufkommender Verbuschung befreit und zusätzliche Futterpflanzen in die derzeit besiedelten Bereiche im Roten Moor, an der Schornhecke oder am Mathesberg, eingebracht werden. Um eine Ausbreitung des Schmetterlings zu ermöglichen, werden kleine Trittsteinbiotope geschaffen, die den Übergang in andere Lebensräume ermöglichen.

 

 

Tiere im LIFE-Projekt Hessische Rhön

Neuntöter - Zielart im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Heidelinde Witzmann
Wiesenpieper - Magerrasen - Flachlandmähwiese - Zielart im LIFE-Projekt "Hessische Rhön". Foto: Alfred Limbrunner
Bekassine
Foto: Dr. Bengt-Thomas Gröbel
Rufender Wachtelkönig
Foto: Torsten Kirchner
Ein Schwarzstorch fliegt zu seinem Horst, in dem drei Jungtiere warten
Foto: Arnulf Müller
Raubwürger
Foto: Christian Gelpke, Vogelschutzwarte Hessen
Braunkehlchen
Foto: Jürgen Holzhausen
Baumpieper
Foto: Andreas Trepte
Skabiosen-Scheckenfalter
Foto: Benno von Blanckenhagen