Erinnerungskultur in der Thüringer Rhön: Nationales Naturmonument Grünes Band

Das Grüne Band Deutschland, ein Naturschutz-Vorhaben mehrerer Bundesländer zum Naturschutz, erstreckt sich über fast 1400 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. 113 Kilometer davon verlaufen durch das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Im November 2018 wurde der Bereich durch die Entscheidung des Thüringer Landtags als Nationales Naturmonument unter Schutz gestellt.

Mit einer Länge von 763 Kilometern hat Thüringen den mit Abstand größten Anteil am Grünen Band Deutschlands (1393 km). Am 9. November 2018 entschied der Thüringer Landtag, den Anteil am Grünen Band als Nationales Naturmonument unter Schutz zu stellen. Damit ging ein mehrjähriger politischer Prozess zur Ausweisung von national bedeutsamen Schutzgebieten erfolgreich zu Ende, der im Koalitionsvertrag der Landesregierung 2014 begann. Zuvor wurden lediglich einzelne Abschnitte des Grünen Bandes als Naturschutzgebiete gesichert oder boten einen vergleichbaren Schutz, etwa durch Natura 2000-Gebiete. Nun ist eine einheitliche Schutzstrategie des gesamten Grünen Bandes Thüringen möglich, welches durch eine abgestimmte Entwicklung in der Region sichergestellt werden soll.

Flächen und Nutzung im Grünen Band Thüringen

Im Nationalen Naturmonument Grünes Band Thüringen mit seinen rund 6.500 Hektar gibt es knapp 13.000 Flurstücke mit einer Vielzahl von Eigentümergemeinschaften. Rund 44 Prozent der Flächen des Nationalen Naturmonuments gehören der Stiftung Naturschutz Thüringen, die sich zum Erhalt und zur Entwicklung der ihr vom Freistaat im Jahr 2009 übertragenen Flächen verpflichtet hat. Weiterhin ist die Stiftung Naturschutz Thüringen Träger des Nationalen Naturmonuments und zuständig für die Erstellung des Pflege-, Entwicklungs- und Informationsplans bis Ende 2023. Auch die Koordinierung der Gebietsbetreuung obliegt ihr.

Die Flächen des Nationalen Naturmonuments sind laut ThürGBG §2, Absatz 2 „… auf der einen Seite durch die Landesgrenze und auf der anderen Seite durch den Verlauf des Kolonnenwegs begrenzt. In den Abschnitten, in denen der Kolonnenweg nicht vorhanden ist, wird die Grenze … durch dessen ehemaligen Trassenverlauf oder eine sonstige ehemalige Grenzschutzvorrichtung definiert. In den Abschnitten, in denen größere Flächen zwischen Kolonnenweg und Landesgrenze liegen, werden Teilflächen ausgegrenzt. Der Kolonnenweg ist Teil des Nationalen Naturmonuments…“

Hier schützen wir wertvolle Erinnerung und kostbare Natur gleichermaßen. Zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird das Grüne Band einen wichtigen Beitrag leisten – gemeinsam mit den Erinnerungsstätten und Grenzlandmuseen.

Chance für Tourismus

Das Grüne Band ist ein touristisches Alleinstellungsmerkmal, das wirtschaftlich besser genutzt werden muss. Nur mit geeigneten Konzepten und klar definierten Angeboten können die wirtschaftlichen Potenziale für Fremdenverkehr und Naherholung ausgeschöpft werden. Um die nötige Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung zu erlangen und eine positive Identifikation zu erwirken, muss die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ausgeweitet werden. Außerdem müssen die Eigentümer und Nutzer der Flächen ausreichend über die Bedeutung des Grünen Bands für den Naturschutz aufgeklärt werden. Ihnen sollten auch Fördermöglichkeiten aufgezeigt werden.

Das Grüne Band ist zudem kulturell wichtig, markiert es doch die ehemalige innerdeutsche Grenze. Dieser Teil der deutschen Geschichte sollte erlebbar gemacht werden. Dazu sollten Grenzrelikte wie Türme oder Bunker zugänglich gemacht und die Arbeit der Museen unterstützt werden. Über zertifizierte Natur- und Landschaftsführer sowie Umweltbildungsmodule sollte nachgedacht werden.