Das Rote Moor

Im hessischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön liegt das im Jahr 1979 ausgewiesene Naturschutzgebiet Rotes Moor (Größe: 314,7 ha). Die Entstehung des Moores begann nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren. Hohe Niederschlagsmengen von über 900 Millimetern pro Jahr begünstigten das Torfwachstum, so dass sich aus einem anfänglichen Niedermoor dann über die Jahrtausende hinweg ein uhrglasförmig gewölbtes Hochmoor entwickeln konnte.

Naturschutzfachlicher Schatz

Im NSG liegt die gleichnamige Kernzone Rotes Moor: Sie erstreckt sich nicht über den eigentlichen Hochmoorkörper (ca. 5 Hektar), sondern über die umliegenden Karpatenbirkenwälder (ca. 59,5 Hektar).

Die Vegetation im verbliebenen Hochmoor ist geprägt von Torfmoosen wie dem roten Magellans Torfmoos, dem Spieß-Torfmoos, dem Rundblättrigen Sonnentau und dem Fettkraut. Insbesondere fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau sind ganz besondere Arten, die man nur hier im Moor finden kann. Auf dem Randgehänge des Moores wachsen bei Nebel fast mystisch wirkende Karpatenbirkenwälder mit Untergehölzen aus Besenheide, Heidelbeere und Rauschbeere. Die anschließende Niedermoorzone ist geprägt von Kleinseggenrieden, Feuchtwiesen mit TrollblumenundBorstgrasrasen. Auch die bedrohte Moosbeere, Krähenbeere und Purpur-Reitgras wachsen hier.

Zur Fauna des Roten Moores zählen über 36 Säugetierarten, darunter absolute Raritäten Sumpf- und Alpenspitzmaus, Baummarder und sechs Fledermausarten. Zur heimischen Vogelwelt zählen das leider sehr selten gewordene Birkhuhn und die Waldschnepfe. Auch Zwergschnepfe und Bekassine haben hier ein letztes Rückzugsgebiet gefunden. Insgesamt sind über 120 Vogelarten hier zu finden. Große Bedeutung hat das Moor auch für bedrohte Falterarten, Amphibien und Libellen.

Touristischer Schatz

Vom NABU-Haus am Roten Moor ausgehend erreicht man nach wenigen Minuten einen Bohlenpfad, der zum Aussichtsturm im Moor führt. Nicht nur der kurze 3-km-Rundweg, sondern auch der 10 Kilometer lange Rhön-Rundweg "Moordorf"  bieten besondere Naturerlebnisse und Eindrücke von diesem Lebensraum.

Kulturhistorischer Schatz

Durch eine 175 Jahre andauernde Abtorfung bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts für die umliegenden Kurorte der Rhön, wurde der Hochmoorkörper jedoch stark geschädigt.

Nur die Randbereiche blieben weitgehend ungestört und bieten heute einen spannenden Einblick in die besondere Flora und Fauna eines Hochmoores.

Schon ab 1979 begannen umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, mit denen es gelang, die weitere Entwässerung der Moores zu verhindern und in Teilbereichen neues Moorwachstum zu initiieren.