So funktioniert umweltfreundliche Beleuchtung

Die Rhön bietet noch natürliche Nachtlandschaften, die nicht nur einen sternenreichen Himmel, sondern auch zahlreichen seltenen Tieren einen ungestörten Lebensraum bietet. Auch die menschliche Gesundheit ist auf den natürlichen Wechsel von hell und dunkel angewiesen – den grundlegendsten Rhythmus jeglichen Lebens. Licht bei Nacht sollte daher so belastungsarm und emissionsfrei wie möglich eingesetzt werden  nicht nur vor dem Hintergrund des Energieeinsparungspotenzials.

Der Einsatz von Kunstlicht ist in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Verbindliche Grenzwerte für Lichtimmissionen existieren noch nicht. Dabei zählt Licht nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zu den Immissionsarten, von denen eine umweltschädliche Wirkung ausgeht, wenn diese „nach Art, Ausmaß und Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen“. Ziel dieses Gesetzes ist, neben dem Menschen auch Tiere und Pflanzen vor schädlichen Lichtimmissionen zu schützen. Licht auf angrenzende Grundstücke oder Lebensräume nachtaktiver oder nachts ruhebedürftiger Tiere ist daher grundsätzlich zu vermeiden, denn der natürliche Wechsel von hell und dunkel ist der grundlegendste Rhythmus der Lebewesen.

Verantwortung beginnt zu Hause

Hierbei kommt jedem Einzelnen auch im Privatbereich eine besondere Verantwortung zu. Schon mit guter Planung im Vorfeld oder einfachen Umrüstungsmaßnahmen an bestehender Beleuchtung rund ums Haus und im Garten gelingt es, einen aktiven und wichtigen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz sowie zur Energieeinsparung zu leisten. Mit rücksichtsvoller und blendfreier Beleuchtung kann man außerdem einen wunderschönen Sternenhimmel genießen.

Um einen Beitrag zur Reduzierung von Lichtimmissionen und damit zum Artenschutz beizutragen, kann man sich an vier Fragen orientieren:

1. Ist die künstliche Außenbeleuchtung wirklich notwendig?

Verzichten Sie auf überflüssige Beleuchtung wie zum Beispiel Lichtkugeln oder Bodenstrahler, da diese Licht größtenteils ungenutzt verschwenden. Vermeiden Sie die Anstrahlung von Bäumen oder Büschen, denn dies zieht Insekten an und stört den Nachtrhythmus von Mensch und Tier. Setzen Sie keine „billigen“ Solarleuchten ein, da sie selten sinnvoll beleuchten, bereits nach kurzer Zeit defekt sind und die Akkus als Sondermüll entsorgt werden müssen. Denken Sie daran, dass Licht Energie verbraucht und damit zur Klimaerwärmung beiträgt. Zudem verursacht es vermeidbare Kosten.

2. Wie lange ist die Beleuchtung notwendig?

Licht sollte nur eingeschaltet werden, wenn es wirklich gebraucht wird. Hilfreich dafür sind Bewegungsmelder, Schalter oder Zeitschaltuhren. Bei Bewegungsmeldern ist es wichtig, auf eine exakte Ausrichtung zu achten, damit sie beispielsweise nicht von jedem Passanten ausgelöst werden. Nach Mitternacht wird kaum noch Licht benötigt – abschalten oder dimmen ist dann sinnvoll.

3. Wo wird das Licht benötigt?

Licht sollte dorthin gelenkt werden, wo es benötigt wird – beispielsweise auf Wegen, Treppen oder an Eingängen. Sehr viele marktübliche Leuchten strahlen zu viel Licht und damit Energie nach oben oder zur Seite ab. Achten Sie bei der Auswahl auf abgeschirmte und damit blendfreie Leuchten, die nur nach unten strahlen (auch als Downlights oder full cut off bezeichnet). Wenn Sie Halogenstrahler nutzen, richten Sie sie so aus, dass sie weit nach unten strahlen. Dadurch ist eine geringere Anschlussleistung nötig und es lassen sich erhebliche Stromkosten einsparen.

4. Welches Leuchtmittel (Lampe) ist geeignet?

Es gibt Halogen-, Kompaktleuchtstoff- und LED-Lampen, wobei Letztere am energieeffizientesten sind. Wählen Sie daher für LED-Lampen eine geringere Watt-Zahl als für die anderen Lampen. Eine 3 W LED-Lampe leuchtet zum Beispiel so hell wie eine 8 W Kompaktleuchtstofflampe oder eine 25 W Halogenlampe. Wählen Sie Lampen mit geringen Blauanteilen und warmweißem Licht. Die Farbtemperatur steht auf der Verpackung und sollte nicht über 3000 K – besser noch weit darunter – liegen. Sie zieht weniger Insekten an, trägt weniger zur Lichtverschmutzung bei und beeinträchtigt weniger die menschliche Gesundheit.

Der Tag-Nacht-Rhythmus ist der grundlegendste Rhythmus des Lebens. 

Planungshilfen für Privatleute, Kommunen und Unternehmen

Die Fachstelle Sternenpark im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön arbeitet seit Langem mit Kommunen und Unternehmen der Region zusammen, die sich für die Plaung beziehungswiese die Umrüstung auf umweltverträgliche Außenbeleuchtung beraten lassen. Ende 2019 sind diese Beratungsinhalte in neuen Broschüren zusammengefasst worden: Anwendungsspezifische Planungshilfen für die Bereiche Haus und Garten, Gewerbe, Sportstätten sowie Öffentliche Straßen und Parkplätze richten sich an Privatleute, an Kommunen und Betreiber, aber auch an zuständige Behörden zur Integration in Bebauungspläne, Bauleitpläne und Dorferneuerungsmaßnahmen. Die Vorgaben basieren auf den Hinweisen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI), den Empfehlungen der Hessischen Landesregierung sowie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen in Kommunen der internationalen Sternenparks. 

So funktioniert es im Sternenpark Rhön

Einige Kommunen im Sternenpark Rhön haben ihre Beleuchtung bereits vorbildlich nach den Handlungsempfehlungen umgerüstet. So wie der Nüsttaler Ortsteil Silges, Hessens erstes „Sternendorf“: Die 400 Einwohner zählende Gemeinde hat auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins alle 32 Straßen laternen auf bernsteinfarbene Amber-LEDs umgestellt. Damit ist Silges einer der ersten Orte im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, die ihre öffentliche Beleuchtung vollständig umgerüstet haben. Ziel war unter anderem, LEDs mit einem möglichst geringem Blau-Anteil einzusetzen, um Insekten und andere nachtaktive Tiere so wenig wie möglich zu stören